Die Liedarcheologen

Gott loben mit den Christen vor uns

Mein Gott, wie bist du so verborgen 

 

 

1. Mein Gott, wie bist du so verborgen,

wie ist dein Rat so wunderbar!

Was helfen alle meine Sorgen?

Du hast gesorget, eh ich war.
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2. Kein Mensch kann, Herr, dein Antlitz sehen,

wir blicken dir nur hintennach;

was du bestimmt, das muss geschehen

bei unserm Glück und Ungemach.
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Mein Vater, mein Vater,

führ mich immerdar

mein Vater, lieber Vater,

du liebend Wunderrat.
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3. Herr, wer kann deinen Rat ergründen?

Dir bleibt allein der Weisheit Preis;

du kannst viel tausend Wege finden,

wo die Vernunft nicht einen weiß.
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4. Gott, deine heiligen Gedanken

sind himmelweit von Menschenwahn;

drum leite mich in deinen Schranken

und führe mich auf rechter Bahn.
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5. Dir will ich mich ganz überlassen

mit allem, was ich hab und bin;

ich werfe, was ich nicht kann fassen,

auf deine Macht und Weisheit hin.

-

6. Hilf, dass ich nie von dir mich kehre

in Glück und Unglück, Freud und Leid;

schick alles, Herr, zu deiner Ehre

und meiner Seele Seligkeit.

Salomon Franck um 1710


 Die Liedarcheologen

 

Salomon Franck (1659-1725) war ein thüringischer Jurist und Dichter. Viele seiner Texte waren Grundlage für die Kantaten Bachs.

Das Lied drückt das Staunen vor Gottes Weisheit aus. Das "verborgen" des Titels meint nicht, dass Gott sich vor dem Menschen versteckt, sondern das Gottes Denken und Gottes Art nur schwer vom Menschen zu verstehen ist. Als Folge dieser Sichtweise formuliert Franck seine Ergebenheit in Gott.