Die Liedarcheologen

Gott loben mit den Christen vor uns

 Komm, Schöpfer Geist

1. Komm, Schöpfer Geist, kehr bei uns ein,
besuch das Herz der Kinder dein:
Die deine Macht erschaffen hat,
erfülle nun mit deiner Gnad.

2. Der du der Tröster wirst genannt,
vom höchsten Gott ein Gnadenpfand,
du Lebensbrunn, Licht, Lieb und Glut,
der Seele Salbung, höchstes Gut.

3. O Schatz, der siebenfältig ziert,
o Finger Gottes, der uns führt,
Geschenk, vom Vater zugesagt,
du, der die Zungen reden macht.

4. Zünd an in uns des Lichtes Schein,
gieß Liebe in die Herzen ein,
stärk unsres Leibs Gebrechlichkeit
mit deiner Kraft zu jeder Zeit.

5. Treib weit von uns des Feinds Gewalt,
in deinem Frieden uns erhalt,
dass wir, geführt von deinem Licht,
in Sünd und Elend fallen nicht.

6. Gib, dass durch dich den Vater wir
und auch den Sohn erkennen hier
und dass als Geist von beiden dich
wir allzeit glauben festiglich.

7. Dem Vater Lob im höchsten Thron
und seinem auferstandnen Sohn,
dem Tröster auch sei Lob geweiht
jetzt und in alle Ewigkeit.

 

 


Rabanus Maurus 809

 Die Liedarcheologen

 

Rabanus Maurus schrieb "Veni Creator Spiritus" anlässlich der Synode von Aachen 809. Das Lied ist eines der wenigen Gebete, das sich direkt an den Heiligen Geist wendet.

Bei der Synode wollten fränkische Gelehrte das "filioque" durchsetzen, d.h. dass der Heilige Geist vom Vater und vom Sohn ausgeht und es keine "innergöttliche Hierarchie" gibt. Das Lied greift diese Sichtweise auf. Bis heute liegt in dieser Frage ein theologischer Unterschied zwischen westlichen (katholischen und reformatorischen) und östlichen (orthodoxen und altorientalischen) Kirchen.